Seite 30 | Kapitel 1

Söder: Der Schaumkronenschläger

Das Buch der Bücher hat über tausend Seiten, doch wenn Markus Söder die Bibel zusammenfasst, geht es ganz schnell. »Da ist einiges drin«, sagt er, »Action, Spannung, Liebe, Romantik, Weisheit.« Söder blickt von einer Kanzel in der Münchner Erlöserkirche in Schwabing auf seine Zuhörer hinab. An dem Pult hängt ein lilafarbenes Samtband, darauf ist ein Spruch aus dem ersten Korintherbrief gestickt: »Ihr seid teuer erkauft.« Es ist ein Sonntagvormittag Ende März 2015, Bayerns Finanzminister trägt ein Jackett über dem Pullover und hält eine Art Predigt. Es geht vor allem um einen Menschen, der in der Bibel gar nicht vorkommt – Markus Söder. »Keine Angst vor den Thronen zu haben, zu sich selbst zu stehen«, das sei seine Haltung, sagt er. Seine kleine Rede hat auch intime Momente. Söder erzählt vom Tod seiner Mutter und wie er danach ihre Sachen aus dem Krankenhaus abholte. »Ein ganzes Leben, in zwei Taschen verpackt.« Nach dem Ende des Gottesdienstes steht Söder an der Kirchenpforte, zwei ältere Damen im Lodenmantel tasten sich zögernd an ihn heran. »Ihr Vortrag hat zu einem Wandel in der Einschätzung Ihrer Person geführt«, sagt eine. Söder grinst. »Freut mich«, sagt er. Klar, denn deswegen ist er hier. ..